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Ein Plädoyer für mehr Toleranz in Freiburg

Im Kurzmanifest der Piratenpartei findet sich folgender Passus:

„Wir leben Toleranz, aber wir kämpfen entschieden gegen alle, die Hass und Intoleranz verbreiten. Totalitären Tendenzen in Staat und Gesellschaft wirken wir entgegen.“

Im Komplex Bürger- und Menschenrechte findet sich folgende Formulierung:

„Wir stehen für Toleranz ein. Es muss für jeden Menschen die Möglichkeit geben, seine Religion auszuüben und seine Kultur zu leben, ohne Repressalien befürchten zu müssen. Diskriminierung in jeder Form ist abzulehnen.“

Die Mütter- und Väter des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland mussten auf eine dunkle Zeit der Intoleranz, der Verachtung und gnadenlosen Verfolgung von Minderheiten zurückblicken: auf die Schoah, die Verfolgung von Sinti und Roma, Behinderten, Homosexuellen oder politisch Andersdenkenden. Aus gutem Grund wurden deshalb die Menschen- und Bürgerrechte (u.a. Toleranz und Achtung der Menschenwürde) im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland verankert, um keinen Nährboden für eine Wiederholung der Geschichte zu schaffen.

Leider ist die Toleranz im Wertekanon bisher noch nicht von allen Bevölkerungsgruppen verinnerlicht worden. Deshalb sollte auch heutzutage jeder Bürger sich Intoleranz und Diskriminierung entschieden entgegen stellen – auch hier in Freiburg.

Viele Subkulturen (und Minderheiten generell) hatten es in Freiburg – verglichen mit weltoffeneren deutschen Städten – noch nie leicht. Sobald man öffentlich aus dem Raster des „Durchschnitts-Freiburgers“ fällt – sei es aufgrund der eigenen Lebensweise, des Stils oder der sexuellen Orientierung – sieht man sich überdurchschnittlich oft Diffamierungen oder gar körperlichen Angriffen ausgesetzt.

Ein Mitglied der Freiburger Piraten beispielsweise ist Teil der Subkultur des „Gothic Kei“ und musste allein schon aufgrund dessen aussergewöhnlichen Kleidungsstils des öfteren verletzende Kommentare, Anfeindungen und offene Bedrohungen ertragen. Zu allem Überfluss schrieb kürzlich ein Mitglied der Redaktion eines lokalen Webportals in einem Artikel über das Freiburger Nachtleben mehrere diffamierende Absätze über ihn als Selektor und die Besucher eines Freiburger Clubs.

Die Person um die es in diesem Beispiel geht, hat einen recht hohen Bekanntheitsgrad in Freiburg. Jeder, der ab und zu in Freiburgs Nachtleben unterwegs ist, wusste spätestens durch die Erwähnung der Piratenpartei im Artikel sofort, von wem die Rede ist. Den Rest des Tages wurde der genannte mehrfach von wildfremden Leuten wegen dieses Artikels in teils beleidigender Weise angesprochen.

Die Piratenpartei kämpft für die Meinungsfreiheit, doch auch diese stößt an ihre Grenzen, wenn die Freiheiten und Persönlichkeitsrechte anderer verletzt werden (siehe auch Art. 5 Abs. 2 GG).

„Wir Freiburger Piraten sehen mit Sorge, wenn Persönlichkeitsrechte zur reinen Belustigung verletzt werden. Wir wünschen uns für Freiburg, dass auch jene Mitbürger, die von der so genannten ‚gesellschaftlichen Norm‘ abweichen, sich in unserer Stadt frei bewegen und entfalten können.“ so der Pressesprecher der Freiburger Piraten André Martens.

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